WIR SIND NICHT ALLEIN

allein

Was ist Schamanismus?
Mit Begrifflichkeiten wie „Zauberer“, „Hexe“ oder „Medizinmann“ gehen ganz bestimmte Konnotationen, Widersprüchlichkeiten und vorgefasste Meinungen einher. Und obwohl dieser Ausdruck aus Sibirien stammt, ist schamanische Praxis auf allen bewohnten Kontinenten zu finden.
Nach Jahren extensiver Forschung hat Mircea Eliade in seinem Buch Schamanismus und archaische Ekstasetechnik festgehalten, dass Schamanismus allen anderen spirituellen Traditionen unseres Planeten zugrundeliegt, und dass das vorrangigste – bei weitem nicht aber das einzige – determinierende Kennzeichen des Schamanismus die Reise in andere Welten in einem Zustand veränderten Bewusstseins ist.
Schamanen werden in ihren Stammessprachen oft „Seh-er“ (Seher) oder „Wissende“ genannt, weil sie Teil eines Erkenntnissystems sind, das auf direkter Erfahrung aus erster Hand basiert. Schamanismus ist kein Glaubenssystem. Er beruht auf persönlichen Experimenten, die für Heilzwecke, Informationsgewinnung oder Lösung diverser Fragestellungen durchgeführt werden. Erzielen Schamanen keine Resultate, dann ist es tatsächlich so, dass sie nicht mehr von ihrem Stamm genutzt werden. Wenn Menschen mich fragen „Wie wissen Sie, ob jemand ein Schamane ist?“, sage ich „Es ist ganz einfach. Reisen sie in andere Welten? Und vollbringen sie Wunder?“

Ist Schamanismus eine Religion?
Die Praxis des Schamanismus ist eine Methode, nicht eine Religion. Sie koexistiert mit etablierten Religionen in vielen Kulturen. In Sibirien ist eine Koexistenz von Schamanismus mit Buddhismus und Lamaismus zu finden, in Japan mit Buddhismus. Es stimmt, dass Schamanen oft in animistischen Kulturen zu finden sind. Animismus bedeutet, dass die Menschen davon ausgehen, dass es Geister gibt. Daher wundert es nicht, dass Menschen in schamanischen Kulturen, wo Schamanen etwa für Heilzwecke mit Geistern interagieren, an Geister glauben. Die Schamanen „glauben“ aber nicht an Geister. Schamanen reden und arbeiten mit ihnen. Sie „glauben“ nicht mehr oder weniger an Geister als Sie daran „glauben“, ein Haus zu haben oder eine Familie. Das ist ein ganz wesentlicher Aspekt, weil Schamanismus kein Glaubenssystem ist.
Schamanismus schließt anderes nicht aus; ist nicht dogmatisch. Sie sagen nicht „Wir haben das einzig wahre Heilsystem“. Vielmehr stellt der Schamane, einem ganzheitlichen Ansatz von Heilung folgend, spirituelle Mittel zur Verfügung – in Kooperation mit Menschen seiner Gemeinschaft, die andere Techniken, wie Pflanzenmedizin, Massage oder Knocheneinrichten, verwenden. Die Absicht des Schamanen ist die Verbesserung des Gesundheitszustandes des Kranken – und nicht der Beweis, dass sein bzw. ihr System das einzig wirksame ist.
In vielen Kulturen erhalten Schamanen oft Geschenke für ihre Arbeit; die sie jedoch zurückgeben, falls der Patient sterben sollte – was meiner Ansicht nach eine lobenswerte Innovation wäre, um mit den Kosten für das heutige Gesundheitssystem zu senken.

Wie werden im Schamanismus veränderte Bewusstseinszustände herbeigeführt?
Zu etwa 90 % weltweit werden veränderte Bewusstseinszustände im Schamanismus durch bewusstseinsverändernde Techniken mittels monotoner Rhythmen, typischerweise unter Verwendung von Trommel, aber auch von Stöcken (sticks), Rassel und anderen Instrumenten, herbeigeführt. In vielleicht 10% der Kulturen kommt es zur Anwendung psychedelischer Drogen.
Ich bin 1961 bei den Conibo-Indianern im östlichen Peru in die schamanische Arbeit eingeführt worden, mit der Hilfe nativer psychedelischer Drogen. Als ich in die USA zurückgekehrt war und keinen Zugang zu Ayahuasca mehr hatte, begann ich, mit Trommeln zu experimentieren. Zu meiner großen Überrraschung funktionierte es tatsächlich. Es hätte mich nicht verwundern sollen, da Trommeln ja weltweit von Schamanen verwendet wurden. So gut wie alles, was man im Schamanismus findet, wird getan, weil es funktioniert.
Mehr als zehntausende Jahre hinweg haben Schamanen das über die Zeit meistgeprüfte System des Einsatzes von Geist, Verstand und Herz für Heilung, neben Pflanzenmedizin, etc., entwickelt. Nochmals, das System ist zeitlich überprüft. D.h., wenn Heiler in 90% der schamanischen Kulturen die selben Methoden verwenden, dann sollten wir aufmerksam darauf werden. Und, natürlich, finden wir dann heraus, dass sie funktionieren.

Was passiert, wenn ein Kranker einen Schamanen um eine Heilarbeit ersucht?
Ein Schamane würde in diesem Fall zum Beispiel eine Reise für diagnostische Zwecke machen, um an Informationen über die Probleme dieses Menschen aus spiritueller Sicht zu gelangen. Es ist dabei nicht unbedingt relevant, wie die Diagnose von einem alltäglichen Blickwinkel aus lautet. Es existiert keine Eins-zu-eins-Übereinstimmung zwischen spiritueller Krankheit und der Krankheit, so wie sie mit dem Alltagsbewusstsein wahrgenommen wird. Man kann nicht sagen „Das ist gleichzusetzen“. Oft wird der Schamane also eine Reise machen, um die spirituellen Ursachen herauszufinden, und entsprechend der erhaltenen Information über die Behandlung entscheiden.
Aus schamanischer Perspektive sind Menschen, die nicht kraftvoll – d.h., mit spiritueller Kraft erfüllt – sind, anfällig für Krankheit, Unfälle und Pech. Dies übersteigt unsere übliche Definition von Krankheit. Der Schamane stellt den Zugang einer Person zu seiner/ihrer spirituellen Kraft wieder her. Diese spirituelle Kraft ist analog als eine Art spirituelles Immunsystem zu verstehen – wobei ich auch hier einen Eins-zu-eins-Vergleich vermeiden möchte. Es handelt sich dabei um eine Analogie. .
Die Kraft macht einen immun gegenüber Krankheit. Wenn jemand wiederholt krank ist, dann erscheint es klar, dass diese Person eine Verbindung zur Kraft benötigt. Eine gesunde Person würde etwa eine Visionssuche unternehmen, um diese Verbindung mit der Kraft einzugehen; aber eine der Aufgaben des Schamanen ist es, jenen Menschen zu helfen, die dies nicht für sich selbst erledigen können.
Heutzutage empfinden es viele als avantgardistisch, von der Geist-Körper-Verbindung zu sprechen, aber in Wirklichkeit ist das Faktum, dass das Gehirn mit dem Rest des Körpers verbunden ist, nicht die große Neuigkeit. Das ist bereits seit Tausenden von Jahren bekannt. Wirklich wichtig ist meiner Ansicht nach im Schamanismus, dass der Schamane weiß, dass wir nicht alleine sind. Damit meine ich, dass, wenn ein Mensch mitfühlend dafür arbeitet, das Leid eines anderen zu mildern, die helfenden Geister daran interessiert sind und sich einschalten. Wenn jemand Außenstehender, der nicht ein unmittelbares Familienmitglied ist, aus Großzügigkeit und Mitgefühl jemand anderem hilft, Krankheit, Schmerzen und Leiden zu erleichtern, dann geschehen Wunder – und es funktioniert noch besser, wenn zwei oder mehrere Schamanen involviert sind. D.h., die großen Neuigkeiten, die Schamanismus eröffnet, betreffen nicht die Verbindung des Verstandes zum Rest des Körpers, sondern dass wir nicht alleine sind.

Können Sie etwas über den Unterschied zwischen alltäglicher und nicht-alltäglicher Wirklichkeit erzählen, insbesondere in Bezug auf mögliche Implikationen für die Medizin?
Die Begriffe „alltägliche Wirklichkeit“ und „nichtalltägliche Wirklichkeit“ stammen von Carlos Castaneda. Die alltägliche Wirklichkeit ist jene Realität, die wir alle zusammen wahrnehmen. Es ist die Realität, in der wir alle darin übereinstimmen können, dass dort an der Wand eine Uhr hängt. Die nichtalltägliche Wirklichkeit ist jene Realität, die mit dem schamanischen Bewusstseinszustand assoziiert ist; d.h., wenn das Bewusstsein verändert ist und man in der Lage ist, Dinge zu sehen, die im Alltagsbewusstsein normalerweise nicht zu sehen sind.
Alltägliche Wirklichkeit ist etwas, über das so gut wie allgemeine Übereinstimmung herrscht. Nichtalltägliche Wirklichkeit ist sehr personenspezifisch. Die Information, die in der nichtalltäglichen Wirklichkeit erworben wird, ist maßgeschneidert für das Individuum – andere Menschen mögen diese gar nicht wahrnehmen, im Gegensatz zu Informationen aus der alltäglichen Wirklichkeit, in der jeder die gleiche Sache wahrnimmt.
Nichtalltägliche Wirklichkeit ist daher eine empirische Wirklichkeit; d.h., die Person interagiert mit ihr, sieht sie, berührt sie, hört sie, fühlt sie. Und der Schamane sieht in dieser Realität mit dem Herzen. .
In der nichtalltäglichen Wirklichkeit muss etwas im Herzen gleich sein, wenn es dasselbe für verschiedene Personen bedeuten soll. Hier (in der alltäglichen Wirklichkeit) ist es nicht so wichtig, welche Emotion du empfindest, wenn es die gleiche Bedeutung haben soll; du siehst es, zum Beispiel, als Tür im Raum. Wenn ich dir ein Bild von meiner verstorbenen Mutter zeigen würde, würden du und ich nicht die gleiche emotionale Beziehung zu diesem Bild haben. Aber wenn ich das Wort „Mutter“ sagen würde und jeder seine eigene Mutter vor sich sehen würde, dann wäre das emotionale Empfinden näher – nicht identisch, aber näher. D.h., um Dinge exakt gleich im Herzen wahrzunehmen, müssen sie für jede Person ein bisschen unterschiedlich sein, weil jeder Mensch eine eigene Persönlichkeit und eine eigene Lebensgeschichte hat.
Der Begriff „Nichtalltägliche Wirklichkeit“ ist nützlich, weil er daran erinnert, dass der Zugang zu diesen Welten vom Grad der Veränderung des Bewusstseins abhängt. Dies bringt Klarheit in unser Denken. Über Jahre waren viele Menschen verwirrt, wenn Schamanen bekundeten „Ich habe eine Reise gemacht, war für drei Jahre weg – und dies und jenes ist geschehen.“ Nun ja, diese Person machte die Erfahrung in der nichtalltäglichen Wirklichkeit, dass sie drei Jahre woanders lebte – während sie in der alltäglichen Wirklichkeit vielleicht nur für eine halbe Stunde weg war.

Wie verhält es sich mit der Divination?
Schamanische Arbeit umfasst auch Divination. Eine Person kann für sich selbst reisen oder einen schamanisch Praktizierenden bitten, Antworten auf eine Frage zu ermitteln. Es ist hochinteressant, wenn jemand völlig Fremder, über den der Schamane nichts weiß, um eine Antwort auf eine Frage bittet, und der Schamane mittels Reise oder anderer Techniken exakte Informationen übermittelt, die von hohem Wert für das Leben dieser Person sind. Dies ist möglich, weil die Spirits die Umstände kennen. Der Schamane braucht gar nichts zu kennen – außer den Methoden und seine Geisthelfer.

Wie können Ärzte und Krankenschwestern/-pfleger dieses Wissen nutzen?
Manchmal nenne ich unsere Foundation informell die „Universität des Schamanismus“. Ich möchte damit unterstreichen, dass unser primäres Ziel darin besteht, durch Training und Ausbildung den Schamanismus wieder den Menschen dieses Planeten zurückzugeben. Viele dieser Menschen sind Ärzte und andere Professionisten im Gesundheitswesen. Sie sind es, die Wege entwickeln müssen, um die Erkenntnisse in ihre Praxis zu integrieren. Wir besitzen keine fertige Vorlage dafür. Wir hoffen, innerhalb der nächsten paar Jahre eine große Konferenz mit Gesundheitspraktikern, die bei uns studiert haben, zu organisieren und Informationen darüber auszutauschen, wie sie diese Methoden in ihrer Praxis eingesetzt haben.

Mir ist bekannt, dass die Foundation eine Studie zum Thema ´Trommeln und Gesundheit´ durchführt. Können Sie dazu etwas sagen?
Unsere Studie, finanziell unterstützt durch eine kanadische Stiftung, untersucht bestimmte Aspekte in Bezug auf schamanisches Reisen, Trommeln und Gesundheit. Meine Frau, Dr.in Sandra Harner, ist die Direktorin des Shamanism and Health Projekts. Ihre Studie beinhaltet zwei wesentliche Faktoren, einer davon betrifft die Effekte von schamanischem Reisen und Trommeln auf einen bestimmten Indikator der Immunabwehr und auf Emotionen.
In Zusammenhang mit dieser Arbeit hat sie einige Hinweise darauf bekommen, dass in Bezug auf die Immunabwehr Menschen mit einem bestimmten Profil psychologischer Kriterien deutlich stärker reagieren als andere. Dies ist offensichtlich von hohem Interesse. Sie hat außerdem herausgefunden, dass bei Menschen, die schamanisch trommeln und reisen, ein enormer Anstieg des Wohlbefindens genauso wie eine Abnahme von Stimmungsschwankungen und Stressempfinden festzustellen ist. Konkrete Aussagen wären aber zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht.
Es ist paradox, dass – anders als bei der Anwendung von Pflanzen – ein Heilsystem, welches das weltweit älteste ist, nicht eingehender wissenschaftlich erforscht wird – abgesehen von dem, was wir mit unseren bescheidenen Ressourcen bewerkstelligen können. Ich freue mich auf den Tag, an dem die Möglichkeit spiritueller Kausalitäten nicht mehr aus der Forschung ausgeschlossen ist, und dadurch Wissenschaft de facto tatsächlich wissenschaftlich werden kann.
Wir besitzen auch Material, das die medizinischen Berufe ´Einzelfallberichte´ nennen würden. Menschen kommen oft zu Schamanen, wenn alles andere versagt hat. Wir kennen Fälle, deren Labortests sich mit Beginn schamanischer Behandlungen deutlich zum Positiven veränderten. Schulmediziner erklären diese Wende üblicherweise damit, dass die ursprünglich gestellte Diagnose falsch gewesen sei. Das ist okay für uns. Letztlich ist es praktisch unmöglich, auf Basis von Einzelfällen eine Kausalität nachzuweisen. Die Menschen fragen sich ´Wie weißt du, dass das wirkt?´ Nun ja, du praktizierst es einfach dein Leben lang, und es entwickelt sich zu einer Erfolgsgeschichte für dich.

Woran arbeiten Sie jetzt?
Mein Hauptinteresse gilt derzeit Wundern. Ich habe zuletzt einige Jahre der Frage gewidmet, welche Prinzipien involviert sind, wenn Wunder auftreten. Ich glaube, wir machen dabei signifikante Fortschritte. Nahezu alles, was irgendjemand irgendwann dazu in der schamanischen Literatur oder der Literatur über Wunder gelesen hat, muss jetzt verarbeitet werden. Und dazu gehören so genannte Wunderheilungen.
Gemeinsam mit einigen unserer fortgeschrittensten Studenten werden wir dieses Projekt weiter vorantreiben. Ich bin nicht in der Lage, diese Informationen öffentlich zu kommunizieren, da es zu früh ist – aber diese Arbeit verlangt eine ausgeprägte Kenntnis von Geistern.
Ich sollte vielleicht noch etwas über Geister sagen, weil dies ein befremdendes Wort für viele Menschen ist. Was ist ein Geist?
1961, als ich bei den Conibo-Indianern im Amazonas im östlichen Peru war, wurde ich von einem Schamanen in den Gebrauch von Ayahuasca eingeweiht und wir arbeiteten jede Nacht mit diversen Naturgeistern. Ich habe mit dem Geist der Anakonda, des schwarzen Panthers, des Süsswasser-Delphins, verschiedenen Baumgeistern, und so weiter, gearbeitet. Sie sind gekommen, wir haben sie gesehen, und so weiter. Dann, eines Nachts, wurde ich dem Geist des Außenbordmotors vorgestellt. Dann dem Geist des Radios und dem Geist des Flugzeugs. Ich realisierte, dass alles, das man in kompletter Dunkelheit oder mit geschlossenen Augen wahrnehmen kann, technisch gesehen ein Geist ist.
Dies erweckt den Anschein, als ob es sich dabei um Halluzinationen handeln würde, aber Schamanen finden heraus, welche Geister Kraft besitzen und welche nicht. Sie finden heraus, welche Geister in welcher Weise helfen. Es ist sehr wichtig, zu verstehen, dass alles, was man in der nichtalltäglichen Wirklichkeit kontaktieren kann, technisch gesprochen ein Geist ist. Es ist eine spirituelle Realität.

Was passiert, wenn ein Schamane die Geister kontaktiert?
Es kommt zu einer Übertragung der Kraft von der nichtalltäglichen in die alltägliche Wirklichkeit. Diese beiden Realitäten sind konzeptuell getrennt, aber der Schamane ist in der Lage, die Kraft von einer in die andere zu bewegen. Wird dies erfolgreich getan, dann treten Heilungen auf und auch das, was wir Wunder nennen.

Ihr Interesse an Wundern wurde offenbar durch die Erfahrung oder Beobachtung von Wundern angeregt. Würden Sie bereit sein, uns eine Wundergeschichte zu erzählen?
Da gibt es eine sehr einfache, deren Effekt bis heute empirisch zu sehen ist. Eine unserer Studentinnen, Carol Herkimer, befand sich zusammen mit anderen Teilnehmern eines Basisseminar im, wie wir es nennen, ´Geistboot´ [Spirit Canoe]. Das Geistboot ist eine Technik, die bei den australischen Aborigines, an der Nordwestküste Nordamerikas und im oberen Amazonasgebiet angewandt wird. Eine Gruppe von Schamanen reist zusammen in die Untere oder Obere Welt, in die Außerzeitlichkeit. Sie tun dies zum Zweck der Heilung oder um Wissen zu erlangen. Wenn eine gesamte Gruppe von Menschen – gut ausgebildet und im Kontakt mit den Geistern – zusammen reist, um einer Person zu helfen, dann ist das sehr kraftvoll.
Wir waren für das Seminar in einem Tanzstudio, namens ´The Kiva´, in der Canal Street in Manhattan. So wie andere Tanzzentren auch hatte es hochglanzpolierte Böden, weswegen wir immer sehr sorgsam sein mussten. Carol erholte sich gerade von einem furchtbaren Autounfall und konnte nicht auf dem Boden sitzen. Sie musste auf einem Stuhl mit gebogenen, röhrenförmigen Metallbeinen sitzen.
Wir gingen schließlich auf die Reise, und nach der Rückkehr (in die alltägliche Wirklichkeit) tauschten wir uns über die Erlebnisse aus. Carol durchschritt auf ihrer Reise ein Meer aus Feuer in der nichtalltäglichen Wirklichkeit. Als sie zurückkam, rauchte der Boden unter ihrem Stuhl – und die gebogenen Aluminiumbeine hatten auf einer Seite eine Rille in den Boden gebrannt; sie aber hatte sich nicht verbrannt. Die Besitzer des Studios waren sehr aufgebracht, und bis heute ist diese Brandspur zu sehen.
Dieses Beispiel alleine beweist gar nichts, aber es sind diese Art von Zufälligkeiten, die sich durch eigene Praxis und Erfahrungen ansammeln. In keinem einzelnen Fall kann man sicher sein, was tatsächlich passiert ist – aber wenn man hohe Korrelationen zwischen Behandlungen durch Menschen, die als Heilschamanen bekannt sind, und Genesungen (wenn andere Ansätze fehlgeschlagen haben) beobachtet, dann fängt man an, aufmerksam zu werden.
Wenn man mit schamanischen Reisen beginnt und die Art von Person ist, für die die Geister Mitgefühl empfinden und der sie helfen wollen, dann wird man eine Menge von Lektionen erhalten, die man nicht erbeten und niemals erwartet hat. Denn wenn du einmal diese Türen durchschreitest – wie auch immer diese Türen gestaltet sein mögen –, werden die Geister dich entsprechend deiner Vorbereitung lehren, und dein Leben wird sich verändern. Bereits eine Reise kann den Beginn einer Veränderung deines Lebens darstellen.

Prof. Dr. Michael Harner ist Gründer und Vize-Präsident der Foundation for Shamanic Studies.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um die Übersetzung eines Artikels mit Michael Harner, aufgenommen in seinem Büro in Mill Valley, California, während eines heftigen Sturmes. Die Originalversion wurde 1996 in dem Journal Alternative Therapies, Vol. 2, No. 3, veröffentlicht.